„Meine Stärke ist sicherlich eine relativ große Bandbreite (Klavier & Kammermusik, über das Dirigieren – das sinfonische Orchester- & Opernrepertoire, sowie als Pädagoge Musiktheorie mit Gehörbildung), auf die ich zurückgreifen kann“, meint Guido Klaus. Immerhin führt er seit langem ein erfülltes Musikerleben: „Da kommt über mehrere Jahrzehnte einiges an Erfahrung zusammen“.

Große Bandbreite

Schon als Kind lernt er Singen, Klavier und Trompete. Mit 17 Jahren erweitert ein Auslandsjahr in Amerika seinen musikalischen Horizont mit eindrucksvollen Chor- und Orchestererfahrungen. Nach dem Studium korrepetiert und dirigiert er einige Jahre an verschiedenen Musiktheatern im süddeutschen Raum (u.a. Ulm, Augsburg, Passau, München - Gärtnerplatztheater). Schließlich folgen mittlerweile gut zwanzig Jahre Engagement als Klavierpädagoge und Musiktheorielehrer, in denen er sein vielfältiges Erfahrungsspektrum konsequent mit Leidenschaft und pädagogischem Gespür weitergibt.

Bürgerlicher Bildungsauftrag

Guido Klaus wächst in einfachen Verhältnissen in Geretsried südlich von München auf. Der Ort ist damals mehr oder weniger eine Siedlung für deutsche Flüchtlinge aus dem Osten, ohne gewachsene Struktur. Seine Mutter hat zwar eine schöne Stimme, aber beide Eltern haben keinerlei musikalischen Hintergrund. Dennoch verspüren sie den „bürgerlichen“ Auftrag, ihren Kindern eine grundlegende Bildung zukommen zu lassen – und dazu gehört eben auch der Musikunterricht. Sie werden jede Woche in die Musikschule nach Straßlach gefahren, um dort zunächst eine „Musikalische Früherziehung“, danach Blockflöten- und den ersten Klavierunterricht zu erhalten. Ein altes Familienklavier wird von der Oma aus Hamburg nach Bayern geschafft und damit zu einer wichtigen musikalischen Grundlage der Schulzeit. Parallel startet Klaus‘ Mutter eine Initiative zur Gründung einer Musikschule in Geretsried – mit Erfolg. Ab jetzt können die Kinder vor Ort ihren Instrumentalunterricht bekommen. An der Musikschule Geretsried erhält Guido eine solide musikalische Grundausbildung in Klavier, Trompete und Musiktheorie.

Studium und Praxis

Nach dem Abitur 1986 studiert Klaus in München zunächst vier Jahre Klavier bei Mari Holló am Richard-Strauss-Konservatorium. „Richtig Klavierspielen habe ich tatsächlich erst im Studium gelernt“, berichtet er. Parallel dazu hat er mehrere Jahre Dirigierunterricht in der Dirigierklasse von Ulrich Weder. Danach hängt er noch ein zweites Studium dran: vier Jahre Orchesterdirigieren bei Professor Hermann Michael an der Musikhochschule München. Um finanziell unabhängig zu sein, gibt er während des Studiums zwei Nachmittage in der Woche Klavierunterricht. Er sammelt dabei Erfahrung, die sich für seine späteren Lehrtätigkeiten als wertvoll erweisen werden.

Sein Weg zum Kapellmeister verläuft über die Korrepetition am Theater Wiesbaden und Ulm. Es folgt ein erstes „festes Jahr“ am Landestheater Tirol in Innsbruck. 1995 wechselt er nach Augsburg, wo er fünf Jahre bleiben wird und sich erstmalig als Dirigent beweisen darf. Er dirigiert neben einigen Opern (Nicolais „Lustige Weiber von Windsor“, Mozarts „Le Nozze di Figaro“, Lortzings „Wildschütz“) weltbekannte Operetten wie das „Weiße Rößl“ von Benatzky oder „Frau Luna“ von Paul Lincke. „Operette liegt mir überraschenderweise“, stellt er später schmunzelnd fest. Anschließend wird er 1. Kapellmeister am Opernhaus in Passau und leitet dort mehrere Produktionen pro Spielzeit und erweitert sein Repertoire.

Lehrer und Autor

Bereits in seinen ersten Jahren als Lehrer stellt Guido Klaus fest, dass das gleichzeitige Erlernen des Violin- und Bassschlüssels für fast alle KlavierschülerInnen problematisch ist. Daher beginnt er, seine ausgearbeiteten Notenrätsel auf Papier zu bringen. Bald stehen 60 Seiten als Fotokopien zur Verfügung – Hausaufgaben-Material für ca. 30 Wochen, je ein bis zwei Seiten. Die einfachen Übungen zeigen so großen Effekt, dass er die Blättersammlung später erweitert und zunächst im Eigenverlag vertreibt. Ein Münchner Musikalienhändler erfährt von dem Heft und empfiehlt Klaus, bei einem „richtigen“ Musikverlag vorstellig zu werden. Bei Gerhard Halbig und Uwe Sieblitz vom DUX-Verlag stößt Klaus auf Interesse. Das Trio versteht sich bestens, die Basis für eine langjährige, sehr konstruktive Zusammenarbeit ist geschaffen, aus der zunächst das „Große Notenrätselbuch“ (in 3 Varianten), und danach eine Reihe weiterer Bücher hervorgehen: zunächst das „Kleine Notenrätselbuch“ (ebenso in 3 Varianten), die „Tastenforscher“ Reihe (zusammen mit Martina Hußmann) mit inzwischen drei Büchern, die sechs Faltblätter „Musik im Überblick“, ein Weihnachtsbuch, aber auch zwei Schulorchester Arrangements für den Andrea Wiegand Verlag.

Das Material für diese Bücher entstand ausnahmslos aus der täglichen Unterrichtspraxis heraus und ist jahrelang getestet und erprobt worden. Das Bestreben als Autor ist für Klaus immer eine Unterrichtsmethode und Erfahrung nach der erfolgreichen Entwicklung in eine „Form zu gießen“ und dann als Buch möglichst vielen Menschen zugänglich zu machen.

Highlights eines Musikerlebens

Wenn Guido Klaus von den Höhepunkten seines Musikerlebens berichtet, schwingt ehrliche Begeisterung mit. Zum Beispiel, als ihm das Dirigat von Figaros Hochzeit in Augsburg anvertraut wurde. „Da bin ich vor Glück gestorben“, schwärmt er, „das ist wohl die vollendetste Oper der Musikgeschichte“. Oder ein Pink-Floyd-Projekt 2008 an der Musikschule Ebersberg – ein dreistündiges Konzert mit über zwanzig Jugendlichen und dem Chor der Musikschule, das in der dortigen Kulturscheune stattfand: „Das war eines der tollsten Live-Erlebnisse ever. Danach sind wir alle eine Woche lang 10 cm über dem Boden geschwebt.“

Ein weiteres Highlight fand an den Bregenzer Festspielen 2003/2004 statt, wo Klaus mit den Wiener Sinfonikern an der „West Side Story“ von Leonard Bernstein unter der Leitung von Wayne Marshall mitwirken durfte – 2003 als Korrepetitor, und 2004 als Orchesterpianist. „Das war ein tolles Leben“, erzählt er begeistert: „Es ist Sommer, du liegst am Bodensee, gehst tagsüber baden und abends ins Theater und spielst die Aufführung. Die Musik ist genial, und danach gibt es jeden Abend eine Party mit dreihundert Leuten. Dafür wirst du auch noch ordentlich bezahlt.“

Vielfältiges Unterrichtsprogramm

Gegenwärtig ist Klaus als Klavierpädagoge, Musiktheorielehrer und Orchesterleiter an der Sing- und Musikschule München tätig und unterrichtet Musiktheorie, Gehörbildung und Ensemble-Einstudierung an der Theaterakademie August Everding. Zudem korrepetiert er die Musical-StudentInnen der Akademie.

Wenn der strenge Zeitplan es zulässt, hält er im Auftrag des Bayerischen Tonkünstlerverbandes gelegentlich Vorbereitungskurse für die Aufnahmeprüfungen an Musikhochschulen. Als Standardausrüstung führt er immer ein leeres Notenheft mit sich, um spontane Einfälle sofort notieren zu können. So ist es nicht verwunderlich, dass er im Laufe von gut 20 Jahren einen enormen Fundus angesammelt hat, der sein didaktisches Werk immer weiterwachsen lässt. Die Ideen gehen ihm jedenfalls nicht aus – neue Projekte sind Themen wie Blattsingen (mit melodischer Gehörbildung), Liedbegleitung für Teenager, Improvisation, oder weitere umfassende Veröffentlichungen zur Musiktheorie.

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