Tuba in der Volksmusik lautet der Titel der Neuerscheinung von Norbert Weigand. Eine Anleitung zum „frei“ Spielen, also ohne notierte Töne, nach Akkordsymbolen – und im Optimalfall ganz ohne Vorgaben. „Höre ich keinen Bass, scheiß ich auf die Melodie.“ Ein Zitat des Musikers und Komponisten Hanns Eisler. Es zeigt wie Wichtigkeit des Basses und gilt für jedes Genre. Was wäre also die Volksmusik, insbesondere die Blasmusik ohne die Tuba?
Norbert Weigand widmet sich generell am liebsten dem Spiel ohne Noten. Er beschreibt die Funktion des Basses in der Volksmusik und erklärt an einfachen Beispielen, wie es möglich ist, ohne Noten eine Melodie zu begleiten, ohne diese jemals zuvor gehört zu haben. Dazu braucht es natürlich ein gewisses Grundwissen in Sachen Harmonielehre und die Grundlagen auf dem Instrument.
Die Erklärungen reichen von einfachen Begleitelementen bis hin zu virtuosen Tönen. Dass man früher etwas von Kirchentonarten wissen musste, um ohne Noten Volksmusik zu begleiten, bezweifle ich. Es gab schon immer talentierte Musikanten, die nie nach Noten spielten, sondern nur nach Gehör und dem Bauchgefühl. Genau die Elemente, die einen echten Musikanten ausmachen und die nicht unbedingt jedem studierten Musiker geläufig sind.
Die Gesellschaft hat sich eben stark verändert. Als es noch keine technischen Geräte gab, um Musik aufzunehmen und abzuspielen, wurde zum Tanz live musiziert, zur Kirchweih, zu Hochzeiten und vielen anderen Festivitäten. Da gab es noch nicht die Vielfalt an Notenmaterial, wenn es überhaupt welches gab. Wer von klein auf mit dabei war, hat es einfach gelernt, wie es ist, ohne Noten zu spielen.
Während nördlich des Weißwurst-Äquators eher im evangelischen Posaunenchor musiziert wird, wird im Süden Deutschlands und südöstlich der bayerischen Grenzen eine Tradition gepflegt, die altertümlich wirkt, aber keinesfalls veraltet. Dort gehört die Volksmusik noch ins Radio und man kennt sich damit genauso gut aus wie mit der Musik aus Übersee.
Wer also schon Tuba spielen kann, gerne Volksmusik macht, sich neue Ziele setzen möchte und ein bisschen mehr können will als die anderen, der ist mit der Anleitung von Norbert Weigand auf dem richtigen Weg. Das gilt gleichermaßen für Amateure wie Profimusiker. Vielen Dank für diese wertvolle Literatur!
Siegfried Jung (üben & musizieren 2/2026)
Musizieren ohne Noten? – Oh jessas, wie geh ich denn jetzt das wieder an? Norbert Weigand spielt selbst liebend gerne Tuba, Sousaphon und Posaune. Er hat es sogar studiert und ist u. a. Bandleader verschiedener Combos und Big Bands. Und weil sein Buch Tuba. Eine praktische Anleitung für den Jazzneuling so ein Renner wurde, hat er sich wieder hingesetzt und dieses Mal das Werk Tuba in der Volksmusik. Eine Anleitung zum »frei« Spielen nach Akkordsymbolen zu Papier gebracht. Herausgekommen ist ein 128seitiges Kompendium, das sich bestens als umfassende Schule für das Selbststudium und den Unterricht eignet. Neben Akkord- und Tonleiterübungen, Vorübungen als Warm-ups enthält es wertvolle Hinweise und Übungen, wie ein Tubist – der vielleicht bisher rein nach Noten musizierte – selbst seine Bassbegleitung zu Volksmusikstücken finden, gestalten und variieren kann. Geschickt verbindet Weigand Theorie und Praxis und vermittelt so dem interessierten Tubisten Einblick und Können, wie man aus Grundton und Quinte mehr machen kann, und den Stücken neben einem tiefen harmonischen und rhythmischen Fundament auch Spritzigkeit und Raffinesse verleihen kann. Und wer das Spiel nach Akkordsymbolen einmal durchschaut hat, für den ist der Weg zum auswendigen Musizieren absolut nicht mehr weit. Auf geht’s zum Bassln!
Roland Pongratz (zwiefach #02/26)